Hervorgegangen aus Arbeitsgruppen des Postdoc-Netzwerks der WAG und als Neugründungen, arbeiten die Forschungsgruppen der WAG zu folgenden Themenbereichen:
Literarische Kulturen
Beschreibung: Die AG Literarische Kulturen ist ein Forum für die literaturwissenschaftlich arbeitenden Mitglieder des WAG Postdoc-Netzwerks. Unsere Forschung bewegt sich im Überschneidungsbereich zwischen der Germanistik, der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und den Jüdischen Studien. Das ist fachlich und strukturell ebenso reizvoll wie anspruchsvoll. Denn aus unserer transdisziplinären Position ergibt sich eine doppelte Aufgabe: Zum einen wollen wir Literatur im engeren Sinne (verbunden mit Fragen der Poetik und Ästhetik sowie der Gattungstheorie und Gattungsgeschichte) als Forschungsgegenstand in den Jüdischen Studien stark machen und das Erkenntnispotential literaturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden aufzeigen. Zum anderen wollen wir Ansätze und Perspektiven aus den Jüdischen Studien in die Germanistik und die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft einbringen.
Die AG Literarische Kulturen bietet einen Rahmen, um die Chancen und Möglichkeiten dieser transdisziplinären Position fachlich-inhaltlich und strukturell-strategisch ausloten. Im Rahmen kleiner Workshops möchten wir uns darüber verständigen, welchen Anspruch wir mit unserer Forschung verbinden, und Visionen dafür entwerfen, wie eine wechselseitige Bereicherung von Literaturwissenschaft und Jüdischen Studien heute aussehen kann und soll. Es ist ein Anliegen der AG, unsere Forschungsergebnisse gemeinsam in Panels auf größeren Jahrestagungen (AJS, GSA, EAJS u.a.) und ggf. auch in eigenständig organisierten öffentlichen Tagungen oder anderen Formaten präsentieren, um uns für eine größere Sichtbarkeit unserer Arbeit in den betreffenden Fachdisziplinen einzusetzen.
Ansprechperson: Judith Müller (jud.mueller@em.uni-frankfurt.de)
Reading Group Liberalismus im Exil
Beschreibung: Die Gruppe versteht sich als Reading Group und widmet sich der Exilgeschichte liberalen Denkens in Großbritannien sowie weiteren englischsprachigen Kontexten. Die Ausgangsbeobachtung besteht darin, dass sich in London die Fluchtwege zahlreicher deutschsprachiger, jüdischer Intellektueller berührten, die im Exil daran gingen, die Grundlagen einer freien Gesellschaft neu zu verhandeln. Dazu gehören Soziolog:innen wie Karl Mannheim oder Viola Klein, Ökonom:innen wie Friedrich Hayek oder Karl Polanyi, Intellektuelle und Schriftsteller:innen wie Elias und Vesa Canetti oder H.G. Adler. Die Fremdheitserfahrung des Exils ging meist Hand in Hand mit einem produktiven Perspektivwechsel auf das Schicksal der liberalen Gesellschaf insgesamt, der im Zentrum der Reflexion unserer Reading Group steht. Nicht wenige hegten die Hoffnung, im blutigen „Zeitalter der Extreme“ (E. Hobsbawn) zu einem neuen Gleichgewicht zwischen Freiheit und Solidarität zu gelangen. Mit dem englischen Liberalismus vor Augen und der faschistischen Erfahrung am Horizont entstand so eine Vielzahl politisch-soziologischer sowie literarisch-poetischer, vor allem aber essayistischer Exilschriften, die den Freiraum im Exil zur Diagnose der eigenen Gegenwart nutzten – mit Langzeiteffekten bis in unsere Zeit.
Die Reading Group trifft sich einmal monatlich im Semester; zwei in-person Workshops in Köln und London sind für 2026 in Planung. Bei Interesse das Proposal und die Reading List bei den Ansprechpartnern anfragen.
Ansprechpartner: Till Greite (till.greite@sas.ac.uk), Till Breyer (till.breyer@uni-koeln.de)
Biographische Studien
Beschreibung: Die Interdisziplinarität der Jüdischen Studien und ihr ausgeprägtes Interesse am Gegenstand ‚Identität‘ sind gewichtige Gründe für eine hohe Affinität des Faches zu biographischen Herangehensweisen. Mit der Gründung der AG Biographische Studien wurde dieser Relevanz der Biographie als Methode und Forschungsperspektive in den Jüdischen Studien Rechnung getragen. Die AG richtet sich an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die lebensgeschichtliche Fragestellungen verfolgen, mit biographischen Dokumenten als Quellen arbeiten und/oder an einer theoretisch-methodologischen Reflexion der biographischen Praxis interessiert sind.
Ansprechperson: Vera Kallenbach, Jeannette van Laak (jeannette.van-laak@geschichte.uni-halle.de)
19. Jahrhundert
Beschreibung: Das 19. Jahrhundert behält in vielerlei Hinsicht eine zentrale Bedeutung für die Gesellschaften der Gegenwart: hier wurden die materiellen und kulturellen Grundlagen moderner Vergesellschaftung gelegt. Aus dieser Zeit stammen einige ihrer bis heute relevanten Analysekategorien, die meisten ihrer heute noch bestimmenden Grundfragen und nicht wenige ihrer Probleme: Nation, Kapitalismus, Industrie, Handel und Finanzwesen, Globalisierung, Parteiendemokratie, Universalismus vs. Partikularismus, Einheit vs. Pluralität, Religion vs. Religiosität vs. Säkularität, Fortschritt und Wachstum, Masse, Familie und Individuum, Rassismus, Antisemitismus. In ganz besonderer Weise gilt das für die Rolle des deutschsprachigen Judentums. Doch obwohl sich viele Diskussionen der Gegenwart um Fragen oder Problem drehen, deren Ursprung bereits zwischen 1789 und 1914 (um einmal eine eurozentrische Datierung vorzunehmen) gelegt wurde, gerät das 19. Jahrhundert zunehmend aus dem Blick der Wissenschaft und Öffentlichkeit. Die AG will dem etwas entgegensetzen und plant zunächst Aktivitäten in mindestens zwei Bereichen: 1) der Vernetzung und Diskussion um Interventions- und Forschungsansätze und 2) der Konzeption und Realisierung eines Sammelbands zum selbst innerhalb des Jahrhunderts noch unterbelichteten Dekaden von 1850 bis 1890.
Ansprechperson: Mathias Berek (berek@tu-berlin.de)